B2.1 · Listening

Hören: Eine Debatte

  1. Guten Abend und willkommen zu unserer Debatte. Heute geht es um die Frage, ob die Innenstadt von Neustadt autofrei werden soll. Bei mir sind Frau Keller vom Verein Lebenswerte Stadt und Herr Brandt vom Einzelhandelsverband. Frau Keller, Sie beginnen. Vielen Dank. Wir fordern seit Jahren, dass der Bereich innerhalb des Rings für den privaten Autoverkehr gesperrt wird. Die Luft würde deutlich sauberer, die Straßen wären sicherer, und die Menschen hätten endlich wieder Platz. Städte wie Gent oder Pontevedra zeigen, dass das funktioniert: Dort ist die Zahl der Unfälle stark gesunken, und die Geschäfte melden mehr Kunden, nicht weniger. Da muss ich widersprechen. Was in Gent klappt, lässt sich nicht einfach übertragen. Unsere Kunden kommen zu einem großen Teil vom Land, und für sie gibt es keine gute Bahnverbindung. Wenn man ihnen die Zufahrt nimmt, fahren sie ins Einkaufszentrum am Stadtrand. Viele kleine Läden könnten das nicht überleben. Das Argument höre ich oft, aber die Zahlen sagen etwas anderes. Eine Befragung in unserer Fußgängerzone hat ergeben, dass nur ein Viertel der Kunden mit dem Auto kommt. Die meisten kommen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus. Ein Viertel ist aber genau der Teil, der die großen Einkäufe macht. Und ich sage nicht, dass sich nichts ändern soll. Man müsste zuerst den öffentlichen Verkehr ausbauen – mehr Busse, längere Fahrzeiten am Abend – und erst dann über Sperrungen reden. Frau Keller, wäre das ein Kompromiss? In der Reihenfolge nicht. Wenn wir warten, bis der Nahverkehr perfekt ist, passiert nie etwas. Wir schlagen vor, mit einzelnen Straßen zu beginnen und den Handel dabei finanziell zu unterstützen. Mit einer Übergangsphase und echter Unterstützung könnte ich leben. Aber nicht mit einer Sperrung von heute auf morgen. Dann halte ich fest: Beide Seiten sind sich einig, dass der Nahverkehr besser werden muss und dass eine Lösung schrittweise kommen sollte. Uneinig bleiben Sie darüber, wann die erste Straße gesperrt wird. Vielen Dank Ihnen beiden.