C1.1 · Listening

Hören: Diskussionsrunde

  1. Herzlich willkommen zu unserer Diskussionsrunde. Es geht heute um die Digitalisierung der Schulen – konkret um die Frage, ob jedes Kind ein Tablet bekommen sollte. Herr Lang, Sie leiten ein Gymnasium, das seit drei Jahren mit Tablets arbeitet. Wie ist Ihre Bilanz? Überwiegend positiv, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Tablets können den Unterricht bereichern – Schülerinnen und Schüler recherchieren selbstständig, arbeiten gemeinsam an Texten, bekommen sofort Rückmeldung. Das funktioniert allerdings nur, sofern die Lehrkräfte gut geschult sind. Ein Gerät ersetzt keine Didaktik. Wir haben im ersten Jahr den Fehler gemacht, die Technik zu verteilen und zu hoffen, dass sich der Rest von selbst ergibt. Das tat er nicht. Frau Roth, Sie sind Lernpsychologin und haben mehrere Studien zu diesem Thema veröffentlicht. Teilen Sie diesen Optimismus? Nur zum Teil. Ich bestreite nicht, dass es gelungene Beispiele gibt. Aber die Daten zeigen etwas anderes: Die Konzentration der Schüler leidet unter ständiger Ablenkung. Wer ein Gerät vor sich hat, auf dem auch Spiele und Nachrichten laufen, wechselt im Schnitt alle paar Minuten die Anwendung – und zwar auch dann, wenn die Schule das eigentlich verbietet. Ich räume ein, dass sich das mit strengen Einstellungen begrenzen lässt; in der Praxis geschieht das aber selten. Da muss ich einwenden, dass diese Studien meist Schulen untersuchen, die ohne Konzept gestartet sind. Bei uns sind die Geräte während des Unterrichts gesperrt, außer für die Anwendungen, die die Lehrkraft freigibt. Seitdem haben wir das Problem nicht mehr. Das mag bei Ihnen gelingen, zumal Sie offenbar die Ressourcen dafür haben. An den meisten Schulen fehlt jedoch das Personal, das solche Systeme pflegt. Und ein zweiter Punkt: Lesen auf dem Bildschirm ist nach allem, was wir wissen, oberflächlicher als Lesen auf Papier. Für längere Texte bleibe ich beim Buch. Gibt es etwas, worin Sie übereinstimmen? Ich denke schon. Die Technik allein garantiert keinen guten Unterricht. Entscheidend bleibt, wie sie eingesetzt wird. Dem stimme ich zu. Ohne ein pädagogisches Konzept ist ein Tablet nur ein teures Spielzeug. Dann fasse ich zusammen. Herr Lang argumentiert, Tablets könnten den Unterricht bereichern, sofern die Lehrkräfte gut geschult seien. Frau Roth hält dagegen, die Konzentration der Schüler leide unter ständiger Ablenkung, und plädiert bei längeren Texten für das Papier. Einig sind sich beide, dass es ohne pädagogisches Konzept nicht geht. Vielen Dank Ihnen beiden – wir setzen die Diskussion nach der Pause mit Fragen aus dem Publikum fort.