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Schlaf und Gedächtnis
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Schlaf und Gedächtnis Lange Zeit galt Schlaf als passiver Zustand, in dem das Gehirn (1) ___ ruht. Man stellte ihn sich vor wie einen Computer im Standby-Modus: Die Lichter sind aus, nichts geschieht, und am Morgen läuft alles weiter wie zuvor. Diese Vorstellung war so einleuchtend, dass sie über Jahrzehnte kaum jemand in Frage (2) ___. Neuere Untersuchungen (3) ___ jedoch nahe, dass gerade im Schlaf Erinnerungen gefestigt werden. In einem klassischen Experiment lernten Versuchspersonen am Abend eine Liste von Wortpaaren. Eine Gruppe schlief anschließend acht Stunden; die andere blieb wach und wurde am nächsten Morgen getestet. Versuchspersonen, die nach dem Lernen schliefen, (4) ___ am nächsten Tag an deutlich mehr Wörter als solche, die wach geblieben waren. Der Unterschied war nicht klein: Die Schlafgruppe behielt im Schnitt ein Drittel mehr. Besonders aufschlussreich ist, was im Tiefschlaf geschieht. Mit Elektroden lässt sich beobachten, dass dieselben Nervenzellen, die beim Lernen aktiv waren, in der Nacht erneut feuern – in derselben Reihenfolge, nur schneller. Man vermutet, dass das Gehirn im Tiefschlaf Informationen (5) ___, ähnlich wie ein Archiv, das nachts sortiert wird. Was wichtig ist, wird in das Langzeitgedächtnis übertragen; was unwichtig ist, wird gelöscht oder zumindest abgeschwächt. Ohne diese nächtliche Sortierung, so die Hypothese, wäre unser Gedächtnis nach wenigen Wochen überfüllt. (6) ___ die Ergebnisse eindeutig sind, bleibt die Frage nach dem Mechanismus offen. Warum werden manche Erinnerungen gefestigt und andere nicht? Emotionale Bedeutung scheint eine Rolle zu spielen, ebenso die Erwartung, das Gelernte später zu brauchen: Wer weiß, dass am nächsten Tag ein Test stattfindet, behält mehr als jemand, dem das nicht gesagt wurde. Das Gehirn (7) ___ offenbar schon vor dem Einschlafen, was es aufheben will. Für den Alltag ergeben sich daraus einfache Folgerungen. Wer vor einer Prüfung die Nacht durcharbeitet, tut sich keinen Gefallen; das Gelernte wird ohne Schlaf nur schlecht gespeichert. Sinnvoller ist es, am Abend zu wiederholen und dann zu schlafen. Auch ein Mittagsschlaf von zwanzig Minuten kann die Lernleistung messbar verbessern – (8) ___ sich das in vielen Schulen und Betrieben noch nicht herumgesprochen hat. Die Forschung jedenfalls ist sich in einem Punkt einig: Schlaf ist keine verlorene Zeit, sondern der Teil des Lernens, den wir am wenigsten steuern können – und am wenigsten ernst nehmen.