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Lesen: Eine Kolumne

Lesson · 3 rules · about 3 min

Verfolge, wie ein Kolumnist dich ködert, einen Punkt einräumt, mit doch die Wendung setzt und einen Vorschlag einschmuggelt, dann siehst du genau, worauf er hinauswill.

  1. 1Die Züge der Kolumne
  2. 2Erst das Zugeständnis, dann die Wendung
  3. 3Vorschlag = Konjunktiv; das abgelehnte Extrem kommt zuerst
Why this matters

Eine Zeitungskolumne über ständige Erreichbarkeit, in fünf Zügen: eine rhetorische Frage, beantwortet mit dem Ein-Wort-Satz „Eben.“; die Norm (ständige Erreichbarkeit gilt als selbstverständlich) und ihre Strafe (wer nicht antwortet, gilt als unhöflich); eine Alltagsszene im Café, die das belegt; das Zugeständnis an den naheliegenden Einwand, gefolgt von der Wendung mit „Doch ich frage mich, ob wir dabei nicht etwas Wichtiges verlieren“; und ein Vorschlag im Konjunktiv (Wie wäre es, wenn …?), klar abgegrenzt von der extremen Position, die der Autor ablehnt. Die Kolumne ist die persönliche Verwandte des Essays: erste Person, direkte Anrede (Sie), kurze Sätze. Wer sie gut liest, weiß, was kritisiert wird, wie die Norm beschrieben wird, wie der Autor mit Einwänden umgeht und was genau er vorschlägt.

Kolumne: Die Kunst des Wartens

Wann haben Sie zuletzt eine Stunde lang nichts getan, ohne zum Handy zu greifen? Eben. Ich auch nicht. Wir leben in einer Zeit, in der ständige Erreichbarkeit als selbstverständlich gilt – im Beruf ebenso wie im Freundeskreis. Wer nicht innerhalb weniger Minuten antwortet, gilt schnell als unhöflich, wenn nicht gar als unzuverlässig.

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