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Lesen: Kurzgeschichte

Lesson · 4 rules · about 4 min

Lies eine stille deutsche Kurzgeschichte so, wie sie gelesen werden will: über Gesten, Dinge und das, was niemand ausspricht.

  1. 1Merkmale der Kurzgeschichte: Such sie in diesem Text
  2. 2Perspektive: personales Erzählen in der dritten Person
  3. 3Das Symbol: Folge dem Gegenstand durch den Text
  4. 4Der letzte Satz knüpft an
Why this matters

Eine literarische Kurzgeschichte von etwa 430 Wörtern, „Die blaue Tasse“. Sie beginnt abrupt in einem Alltagsmoment, „Das Wasser kochte schon, als das Telefon klingelte.“, und folgt einem Dienstagmorgen von Brenner, einem Witwer, dessen Frau Ruth vor einigen Monaten gestorben ist („seit der Beerdigung“). Seine Tochter Katrin ruft wie jeden Dienstag an und drängt ihn, sich eine Zweizimmerwohnung anzusehen. Nichts wird erklärt: Brenners Trauer zeigt sich nur in Gesten. Er holt die blaue Tasse hervor, „aus der Ruth immer getrunken hatte“, lässt sie leer an ihrem Platz am Fenster stehen, spült sie, obwohl sie nicht schmutzig ist. Erzählt wird in der dritten Person, dicht an Brenner, in Untertreibung („Zwei Zimmer, dachte er, das reicht für einen.“), und das Ende bleibt offen, mit einem vielsagenden letzten Satz. Die acht Fragen zielen auf die Handlung, die Erzählperspektive, das Symbol, das im Dialog Ungesagte und die Lesart des Endes.

Kurzgeschichte: Die blaue Tasse

Das Wasser kochte schon, als das Telefon klingelte. Brenner ließ es klingeln. Er wusste, dass es Katrin war. Sie rief jeden Dienstag um halb acht an, seit der Beerdigung, und jeden Dienstag fragte sie dasselbe.

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